40. DUISBURGER AKZENTE | Science-Fiction in der DDR

21. März 2019 // 18:30 - 20:00 Uhr

40. DUISBURGER AKZENTE | Science-Fiction in der DDR

Am Beispiel der Literatur von Anna Seghers und Franz Fühmann erklärt Dr. Daniel Hoffmann die Besonderheiten des Genres im Sozialismus der siebziger Jahre | Im Rahmen der 40. Duisburger Akzente "Utopien"

Seghers' (1900-1983) "Sagen von Unirdischen" und Fühmanns (1922-1984) "Saiäns-fiktschen-Erzählungen", Anfang der 1970er Jahre veröffentlicht, sind hochliterarische Beispiele für das Genre "Science Fiction" in der DDR. In ihnen denken die Autoren etwas zu Ende, was ihnen in der Gegenwart als Defizit begegnet. Dazu heben sie die Zeit und den Raum auf, erweitern Gegenwart auf die Vergangenheit und die Zukunft hin. Während Seghers aus der Perspektive eines Außerirdischen den Krieg als Alltag der Menschheit darstellt, versucht Fühmann im Entwurf einer irrealen Endzeit die Gefahren des technischen Zeitalters aufzuzeigen.

Seghers verlegt die Begegnung der Menschheit mit den Außerirdischen in die Zeit der Bauernkriege des 16. Jahrhunderts. Im außermenschlichen Erstaunen über den alltäglichen Krieg wird der Irrsinn des Krieges deutlich. Auf der anderen Seite erscheint die Kunst als Hoffnung einer Befriedung der Menschheit. Fühmann dagegen versucht im Entwurf einer irrealen Endzeit etwas zu Ende zu denken, was die technische Intelligenz der Menschheit im 20. Jahrhundert erst nur als Möglichkeit erdacht hat: die Aufhebung des chronologischen Ablaufs der Ereignisse. Die technische Intelligenz des Menschen überholt jede normierte gesellschaftliche Ordnung und führt ihre Regelhaftigkeit ad absurdum. Insofern sind Fühmanns Erzählungen auch Kritik am sozialistischen Ordnungswillen.

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5 €

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