Cyrus Overbeck. Album der Erinnerung

02. - 26. Mai 2019 // 14:00 - 18:00 Uhr

Cyrus Overbeck. Album der Erinnerung

Der überregional und in Duisburg tätige Künstler zeigt in einer einzigartigen Ausstellung neue Holzschnitte. 

Kunst zwischen kollektiv medialem und individuellem Erinnern, Kunst zwischen Empathie und Abstraktion

Öffnungszeiten der cubus kunsthalle, duisburg: Mittwoch bis Sonntag 14:00-18:00 Uhr

„Ich bin Künstler, ich erzähle, was ich sehe und erlebe. In Holz, in Bronze, auf Öl, auf Leinwand, Metall und auf Stein.“

Geboren 1970 verlebt Cyrus Overbeck seine Kindheit als Sohn eines persischen Vaters und seiner deutschen Mutter bis 1979 in Teheran. 1986 beginnt er seine künstlerische Auseinandersetzung in seinem ersten Atelier - in der stillgelegten Brotfabrik des Großvaters in der Arnold-Overbeck-Straße 58 - in Duisburg, die mittlerweile unter Denkmalschutz steht. 1988 schafft er sich die erste eigene Radierpresse an. Im Jahre 1989 erlangt er in Duisburg sein Abitur. Ab 1990 arbeitet er auf Haus Esselt im Pankok-Museum in Hünxe-Drevenack am Niederrhein. Von 1990 bis 1995 schließt sich ein Lehramtsstudium Sekundarstufe I und II an. Seit 1995 arbeitet Cyrus Overbeck freischaffend in seinem Atelier in Duisburg-Beek und konzentriert sich auf großformatige Radierungen und Holzschnitte. Von 1997 bis 1999 hat er einen Lehrauftrag für Druckgrafik an der Universität Duisburg inne. Im Anschluss folgen bis 2001 Aufenthalte in Carlsbad, Kalifornien.

Das denkmalgeschützte „Becker-Haus“ im norddeutschen Esens, erwirbt Overbeck 2003 und nutzt es als Atelier. Im Jahre 2000 eröffnet er weitere Ateliers in Neulouisendorf bei Kalkar und in Dornum (Norddeutschland), in welchen eine Vielzahl großformatiger Landschaftsradierungen und Holzschnitte entstehen. 2003 erwirbt er das Bürgermeister-Becker-Haus in Esens und baut dies ebenfalls zu einem Atelier um. Von 2004 bis 2007 arbeitet er dort als Lehrer für die Fächer Deutsch, Ev. Theologie, Kunst und Geschichte. 

Im Jahre 2007 folgt ein Aufenthalt in New York, bei dem kleinformatige Ölgemälde und Aquarelle entstehen. Seit 2010 kooperiert Cyrus Overbeck mit der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, dem Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz, und unterhält ein offenes Atelier in der Mainzer Innenstadt. Es folgt eine akademische Auseinandersetzung mit dem Thema Künstler und Kulturindustrie. Hierdurch erfolgen multiple Medienpräsenzen in Radio, Fernsehen und den Print-Medien. 2013 wird das Atelier in Düsseldorf-Flingern (Hermannstraße 38) eröffnet. Im Jahre 2013 beginnt er mit dem Bau einer neuen Radierpresse, auf der Formate bis 240 cm Länge gedruckt werden können. 2018 wird Overbeck in die Jury des Gutenberg-Museums Mainz berufen.

Als narrativer Realist ist Overbeck erzählend für viele Werte eintreten. Er drückt es einmal so aus (Zitat) „Über allen Werten steht für mich etwas, an dem es in unserer Gesellschaft immer mehr mangelt: die Glaubwürdigkeit. Es geht mir bei der Glaubwürdigkeit um die Übereinstimmung von Wort und Werk, von Haltung und Handlung.“ Aus dieser, seiner Haltung spricht Authentizität, die sich in seinen Werken widerspiegelt. In der bildenden Gegenwartskunst kann er wohl auch zu den letzten Geschichtenerzählern zwischen „Abstraktion und Einfühlung“ gezählt werden. Seine Holzschnitte, seine Bronzen, seine Arbeiten in Öl und seine Radierungen sprechen mit dem Betrachter. Sie erzählen von seiner Sehnsucht nach Liebe, Frieden und Geborgenheit. Sie berichten über persönliche Erfahrungen mit Verzweiflung, mit dem Tod und mit verzweifelten Menschen. Sie erzählen von seinen Versuchen, das Grauen von Flucht, totalitären Staaten, Unterdrückung und Völkermord anzusprechen. Sie drücken seine Sorge angesichts der Entdemokratisierung europäischer Gesellschaften aus. Overbecks Kunst erzählt auch von Religion. In seinen Arbeiten sind die großartigen Verflechtungen der Weltreligionen eingewoben, in denen Overbeck selbst Kind, Jugendlicher, Pädagoge und Künstler geworden ist: Katholizismus, Protestantismus, das Judentum und das muslimische Weltverständnis spielen dabei oft eine simultane Rolle. Für dieses offene Weltverständnis ist Cyrus Overbeck nicht zuletzt anlässlich der Aufnahme in die European Academy of Sciences and Arts, in Salzburg, gewürdigt worden.

Album der Erinnerung. So ist die Ausstellung in der cubus kunsthalle, duisburg von ihm betitelt worden. Die Erinnerung ist immer auch eine Art Rückkehr. Rückkehr nach Duisburg in das Atelier in der alten Brotfabrik in Beek, Rückkehr auch in die cubus kunsthalle, in der Cyrus Overbeck bereits vor 20 Jahren eine seiner vielen Wirkungsstätten hatte. Und Rückkehr zu seinem damals, in der Zeit seiner künstlerischen Anfänge, präferiertem Ausdrucksmittel: dem Holzschnitt.

Eintritt frei

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