b.43

18. April 2020 // 19:30 - 22:00 Uhr

b.43

Dark With Excessive Bright (Uraufführung) – Robert Binet | Notations I-IV – Uwe Scholz | Ramifications – Martin Schläpfer | Siebte Sinfonie – Uwe Scholz

Nach dem großen Erfolg seiner Ballett am Rhein-Uraufführung „New World“ kehrt der junge Kanadier Robert Binet erneut nach Düsseldorf zurück. „Dark with Excessive Bright“ ist der Titel seines neuen Stücks, hinter dem sich John Miltons legendäres Versepos „Paradise Lost“ über den Sündenfall des Menschen verbirgt. Als musikalische Basis dienen Robert Binet drei Werke der 2019 für einen Grammy Award nominierten Amerikanerin Missy Mazzoli – Musik, die ihm „Bilder von Weltraum und Spiritualität, mystischer Freiheit und Vollkommenheit“ suggeriert. „Vespers“ – ein beim Einbruch der Nacht gesungenes Gebet – wird ihm zum „Anfang einer Reise, die uns aus unserem Sonnensystem in ferne Galaxien trägt. Die Materialisierung von Energien wie bei der Entstehung eines Sterns, der aber gleich wieder verglüht, definiert die Dynamik seines Balletts: zunächst strahlend, voller Kraft, dann leise verlöschend.

„Notations I–IV“ sind eine Begegnung eines Solisten mit sich selbst, ein Gang an die Ausdrucks- und Belastungs-Grenzen der eigenen Physis, aber auch ein Ergründen, wie zeitgenössisch das klassisch-akademische Ballettvokabular sein kann. Der Tänzer wird in all den virtuosen Battements, akrobatischen Grands Jetés und schwindelerregenden Pirouetten-Folgen wie von einer unsichtbaren Macht unter Strom gesetzt. Nur selten kommt es zu einem Innehalten, einem Hineinhören in den eigenen Körper. Der russische Ausnahmekünstler Vladimir Malakhov, für den Uwe Scholz dieses 13-minütige Solo zu Pierre Boulez’ gleichnamigen vier Orchesterstücken 1996 kreierte, bekannte: „Wenn man ‚Notations‘ tanzen kann, dann kann man alles tanzen.“

Mit „Notations I–IV“ sowie „Siebte Sinfonie“ widmet sich das Ballett am Rhein in Programm b.43 seit vielen Jahren erstmals wieder dem bedeutenden Choreographen Uwe Scholz. Aus John Crankos Stuttgarter Talentschmiede kommend, hatte dieser mit nur 26 Jahren die Direktion des Zürcher Balletts übernommen und von 1991 bis zu seinem frühen Tod im Jahre 2004 das Leipziger Ballett geleitet.

Eine Erforschung des Körpers im Raum zwischen gegensätzlichen Polen ist Martin Schläpfers 2005 für die Ballerina Marlúcia do Amaral kreiertes Solo „Ramifications“ – eine Bewegungsstudie, die in b.43 einen filigranen Gegenpart zu Uwe Scholz’ „Notations I–IV“ bildet. Zu György Ligetis gleichnamigem Orchesterwerk lässt Martin Schläpfer die Tänzerin eine Architektur der Linien und Kurven erschaffen, kreiert Zwischenräume, imaginäre Räume. Ihr Körper wächst weit über seine eigentliche Größe hinaus – und wird dann wieder ganz klein. Alle Bewegung erscheint total gebändigt und offenbart zugleich ein Maximum an Energie, die jederzeit ausbrechen kann. Höchste technische Anforderungen transformieren sich für den Betrachter in eine paradoxe Leichtigkeit. Bekanntes erscheint als Fremdes und umgekehrt. Der Körper wirkt wie eine lebende Skulptur, aber nicht als Abbild von etwas Perfektem, Schönem, sondern wie eine Frage – der Ausdruck einer Sehnsucht nach anderen Zuständen.

Uwe Scholz zählte zu den bedeutendsten Weiterdenkern der Tradition des Sinfonischen Balletts wie sie von Künstlern wie Michail Fokine, Léonide Massine und George Balanchine in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begründet worden war: eine Übertragung der Klangwelten und Strukturen einer musikalischen Komposition in Tanz, welche Sehen und Hören neu verbindet. Für das Stuttgarter Ballett entstand 1991 seine „Siebte Sinfonie“ – ein euphorisierendes Tanzfest von strahlender Schönheit zu Ludwig van Beethovens Sinfonie A-Dur. Richard Wagner bezeichnete diese Komposition als „Apotheose des Tanzes“, verfolgt sie doch in radikaler Weise nur das eine Ziel: Bewegung und Rhythmus in allen erdenklichen Erscheinungsformen, vom Schreittanz bis zum Furioso, in Klang zu setzen. Mit dem Ballett am Rhein ist Uwe Scholz’ „Siebte Sinfonie“ zum Beethoven-Jahr 2020 nun erstmals in Düsseldorf und Duisburg zu erleben.

Weitere Informationen: https://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-43.1225785

Foto: Gert Weigelt

Eintrittspreise


19,00 / 27,00 / 36,00 / 46,00 / 56,00 / 66,00 / 76,00 €

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