Opening Heinz Josef Klaßen
19.09.2020
Von 18:00 bis 18:30 Uhr

Opening Heinz Josef Klaßen

Zu sehen gibt's das Lebenswerk Klaßens, Farbfotografien aus den 1970er Jahren und fotorealistische Malerei sowie Zeichnungen und Holzskulpturen. Hin da!

 

Heinz Josef Klaßen

Zeichner. Maler. Fotograf. Bildhauer

19.9.-22.11.2020

cubus kunsthalle, duisburg

 

Mit dem Begriff der künstlerischen Farbfotografie verbinden wir heute einen großen Namen: den von Andreas Gursky. Mit seinem ersten veröffentlichten Farbfoto, einem mit Farbnegativfilm abgelichteten E-Herd, erregt er im Jahr 1980 Aufsehen und sollte damit in die Analen der Kunstgeschichte eingehen. Bereits 10 Jahre zuvor, indes, fotografiert Heinz Josef Klaßen mit Farbpositiv, also Diafilm, munter Flaschen- und Getränkeautomaten - damals für die Kunst völlig verpönt: in Farbe. Erste Farbfotografien sind bereits für 1959 belegt.

Der 1936 in Meppen (Ems) geborene Heinz Josef Klaßen fotografiert ab 1970 in Essen, Duisburg und Umgebung. Die damals aufgenommenen rund 500 Dias im Kleinbild und Mittelformat werden 2015 von Klaßen wiederentdeckt, digital restauriert und in unterschiedlichen Formaten, zumeist in A4, A3 und A2 auf dem eigenen Drucker ausgedruckt. Dabei helfen ihm seine Malereien, die die einstigen Farben der Dias bis heute konservieren, die Farben der längst verblassten Diapositive wieder zum Leben zu erwecken. Anhand der Malereien gelingt es ihm heute, die Farben der eingescannten Dias im Fotoausdruck computergestützt zu rekonstruieren. Dies dürfte ein einmaliger Vorgang sein: nämlich die Farbwiederherstellung des Original Dias, anhand der Malerei, für die das Dia einst Pate stand!

Klaßen inszeniert gekonnt den Alltag des Ruhrgebiets der 1970er Jahre, ohne die industrielle mühevolle Arbeit in den Fabriken, an den Hochöfen oder im Untertage Kohleabbau zu thematisieren. Ihn interessieren vielmehr Sonntagsspaziergänge mit den Kindern, Straßenszenen, Reklame, bunte Schaufenster mit ihren Puppen und Auslagen, von Neon erleuchtete bunte Nachtszenen, Bahnübergänge, Baustellen, Abbruch und Umbruch, freie Flächen, Brachen, Tankstellen, innerstädtische Einöden. Vieles erinnert an Filme mit US-amerikanischen Großstädten. In seinem Werk leben die 1970 Jahre wieder auf und lassen die älteren Betrachter in Erinnerungen schwelgen. Man erinnert sich gerne daran, als das Benzin noch 55,9 Pfennige pro Liter gekostet hat und Straßenbahnen als bewegte Werbeflächen die Straßen querten. „Auch „selbst tanken“ kommt damals erst so langsam in Mode. Heute ist der Tankwart fast nicht mehr existent.“, schreibt der Westen über eine seiner wenigen Ausstellungen. Wahlplakate, wie das der SPD, auf dem der damalige NRW Landesvater Heinz Kühn und der junge Helmut Schmidt den Slogan „Den Aufschwung wählen“ proklamieren, dokumentieren einerseits den damaligen Zeitgeist, spannen aber auch einen Bogen bis hin zur heutigen Realität. Andere Plakate, wie die mit dem ewigen Cowboy der rot-weißen Zigarettenmarke oder die mit dem braungebrannten Model, das für Delial Sonnencreme wirbt, sind gänzlich aufgrund der bekannten gesundheitlich Schäden aus dem heutigen Stadtbild verschwunden. Viele seiner ausgewählten Orte gibt es nicht mehr, sind im Zuge der urbanen Entwicklung der Stadtplanung zum Opfer gefallen. Vor diesem Hintergrund haben heute seine Fotografien auch einen außergewöhnlichen dokumentarischen Wert. Manche Motive von Häuserkulissen, Parkplätzen, Unterführungen und Bahnübergängen existieren noch und haben sich kaum verändert. Die wenigen auf den Bildern vorkommenden Menschen verunsichern jedoch den Betrachter. Kleidung und Aussehen passen einfach nicht ins Heute. Manchmal ist es die Kleidung, oder eine Werbung, der Name einer Firma, oder ein Automodell, das den Bruch hervorruft. Und dann kommt dieses Aha Erlebnis, das die Arbeiten zeitlich einordnet und so einzigartig macht.

 

Die Ausstellung in der cubus kunsthalle, duisburg zeigt vier Bereiche seines künstlerischen Schaffens. Die fotorealistische Malerei. Die Fotografie, die längst von dem Zweck zum Festhalten eines Motivs zu einer eigenständigen Form der künstlerischen Auseinandersetzung gefunden hat. Die Holzskulptur und die Zeichnung, die in großer Stückzahl während der Vorbereitung zur Ausstellung vom Künstler wiederentdeckt wird.

Das zeichnerische Werk verfügt über sehr frühe Kinderzeichnungen, zahlreiche Skizzenbücher, Hunderte von Einzelskizzen, Feder-und Farbstiftzeichnungen sowie Tempera-und Aquarellarbeiten in verschiedenen Formaten von 1960 bis in die achtziger Jahre.

 

Heinz Josef Klaßen studierte Kunsterziehung und Philosophie an der Kunstakademie Mainz und war 1966 bis 2000 neben seiner künstlerischen Tätigkeit Lehrer am Alfred-Krupp-Gymnasium in Essen.

2019 übernimmt das Fotoarchiv des Ruhrmuseums rund 300 Kleinbild- und Mittelformat-Dias, um damit das Essen der 1970 – 80 er Jahre zu dokumentieren. Bis Ende September läuft noch die Ausstellung „Die weite Stadt“ im Ruhr Museum Zeche Zollverein. Dort werden hausintern angefertigte Ausdrucke von Klaßens Dias im Jetztzustand gezeigt.

Parallel zeigt der Kunstkiosk in Essen Heisingen, dem Ort, an dem Klaßen lebt und arbeitet, bis zum Jahresende Ausdrucke des Künstlers von seinen Fotografien.

 

 

Dr. Claudia Schaefer

cubus kunsthalle, duisburg

 

 

cubus kunsthalle, duisburg Friedrich-Wilhelm-Str. 64 (im Kantpark) 47051 Duisburg . Die Ausstellung ist geöffnet fr-so 14-18h und nach Vereinbarung unter 0170-4411918

 

Bildnachweis

Foto Heinz-Josef Klaßen und cubus kunsthalle, duisburg

Entdecken Sie weitere Events