15.03.2021
Von 20:00 bis 21:30 Uhr

Gespalten - Eingemauert - Befreit

Die Künstlerin Karin Dauenheimer erzählt, wie die innerdeutsche Mauer die ersten Risse bekam, lange vor ihrem Fall.

"Gespalten - Eingemauert - Befreit", zu diesen Begriffen hat die Künstlerin Karin Dauenheimer vor einiger Zeit drei große Druckgrafiken geschaffen. Anhand dieser Bilder möchte sie aufzeigen, wie sie die Zeit des eingesperrt Seins in der DDR und den Befreiungsprozess erlebt hat.

Während die reale Mauer, hochgesichert mit Selbstschussanlagen und Schießbefehl, nur unter Lebensgefahr zu überwinden war, war das geistige eingesperrt Sein eher zu durchbrechen. Neben dem permanenten Einfluss von Westradio und -fernsehen, der von außen den geistigen Sperrvorhang perforierte, gab es auch eine Selbstbefreiungsarbeit von innen. Künstlerinnen und Künstler schrieben, malten, fotografierten, machten Musik und performten. Es gab kleine Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Diskussionsrunden im kirchlichen und privaten Raum. Da Karin Dauenheimer in der 1980ger Jahren bei einer CDU-Tageszeitung für die Seite "Christ und Welt" verantwortlich war, gelang es ihr immer wieder, Rezensionen zu Ausstellungen und Veranstaltungen zu platzieren, insofern sie in kirchlichen Räumen stattgefunden hatten. Sie konnte darin Gedanken aussprechen, die nicht der DDR-Doktrin entsprachen. Es erfolgten oft rigide Maßnahmen und sie wurde für die Staatssicherheit ein "Operativer Vorgang", aber die Artikel waren erschienen und die Botschaften in der Welt!

Die Mitarbeiter der Stasi versuchten mit ihren perfiden Methoden, den gesellschaftlichen Diskurs unter Kontrolle zu halten. Sie merkten nicht, wie die Mauer von innen her immer mehr kleine Risse bekam und zu bröckeln begann.

Anhand von Beispielen aus der Mail-Art-Bewegung, Ausstellungen, Tanz- und Performance-Szene und Artikeln aus Tageszeitungen möchte sie in ihrem Vortrag von diesem Prozess etwas sichtbar machen.

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