Grey Area
Bridget Breiner / David Dawson / Lesley Telford
Im Zentrum des dreiteiligen Abends steht David Dawsons preisgekrönter Klassiker über einen ungreifbaren und zugleich hoffnungsvollen Zustand zwischen Ende und Wiederbeginn. „The Grey Area“ verweist auf ein Niemandsland jenseits von Zeit und Raum: Mit weit ausschwingenden, frei fließenden Bewegungsphrasen und großer musikalischer Sensibilität scheint sich die Choreographie von der Schwerkraft zu lösen und zelebriert die Schönheit eines Augenblicks, in dem Dynamik, Zeitlosigkeit und emotionale Intensität ineinandergreifen.
Nicht das Ziel, sondern der Weg selbst ist Ausgangspunkt für Bridget Breiners neue Kreation „Shards“. Ausgehend von den musikalischen Interpretationen Jeff Buckleys widmet sie ihre „Scherben“ dem Unabgeschlossenen – dem, was nicht endet, sondern nachhallt. Gemeinsam mit der Compagnie erforscht sie das Dazwischen-Sein als fortlaufende Bewegung: Begegnungen und Trennungen, Nähe und Entfernung, das Festhalten und das Loslassen. Wie ein Lied, das über seinen letzten Ton hinauswirkt, folgt die Choreographie einer Spur, die nicht zu einem Abschluss führt, sondern weiterträgt.
Den Abschluss dieser Auslotung von Zwischenräumen bildet „Threshold of a Fall“ der kanadischen Choreographin Lesley Telford. Inmitten eines schwebenden, stilisierten Waldes reflektiert das Werk die fragile Beziehung zwischen Mensch und menschengemachten Systemen. Was stabil und unerschütterlich erscheint, kann durch die kleinste Verschiebung seine Verletzlichkeit offenbaren. Inspiriert von der Parabel vom Damoklesschwert entsteht ein Raum höchster Balance – getragen von einer dichten Klanglandschaft, stets an der Schwelle zu einem möglichen Kippen.